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Dancefloor Tragedy-Compilations

Interview mit den Fliehenden Stürmen

Review www.city-flyer.at

 


DANCEFLOOR TRAGEDY
the finest underground tunes vol.1

2005 / limited to 55 pieces

1 joy disaster - hang around
2 pins and needles - better off dead
3 fliehende stürme - spieler
4 frank the baptist - old hat
5 whispers in the shadow - i wanna be your dog
6 the staggers - do the ripper
7 collapsing new people - hostile outside
8 sickdoll - schlafen
9 solitude fx - lady of the dawn (live)
10 r0+0-gen - love antenna
11 starry-eyed girl - different worlds
12 oppenheimer analysis - under surveillance
13 a light so dark - we are just ghosts
14 altered states - the party's over

 

Interview mit den Fliehenden Stürmen:


Vor dem FLIEHENDE STÜRME-Konzert im Rahmen der Dancefloor Tragedy am 15.6.2001 interviewte NeuRose (N) Stürme-Mastermind Andreas Löhr (L) auf einer verwanzten Couch im EKH-Stiegenhaus, aber auch Bassist Andi (A) und Drummer Stephan (S) kamen mal zu Wort.

N: Ihr habt vor kurzem eure neue CD "Himmel steht still" veröffentlicht, wie würdet ihr sie beschreiben, eher wavig wie "Fallen" oder eher punkig wie "Hinter Masken"?

L: Es ist wieder ein typisches Fliehende Stürme-Album geworden, wie immer mit ruhigen und schnellen Stücken, nicht so ruhig wie "Fallen". Ich weiß nicht, ob "Hinter Masken" besonders punkig war... Aber sie ist auf alle Fälle anders und düsterer als "Hinter Masken". Neu sind z.B. die Streicherensembles auf "Satellit", oder das Klavier auf dem Titeltrack, ansonsten Gitarren bis zum Abwinken, wie immer.

N: Ihr habt von neuen Elementen gesprochen, habt ihr - wie schon bei "Maschinentrauma" oder "Kaleidoskop" - wieder Elektronik verwendet? Wollt ihr das in Zukunft mehr ausführen oder bleibt es bei ein paar Liedern?

L: Es wird nicht mehr oder weniger, es wird immer ein Bestandteil bleiben. Es ist nicht so, daß wir das besonders verstärken wollen, das geben die Stücke quasi mit. Wir haben keinen Plan, bei keinem der Lieder, die wir machen.

N: Von welchen Künstlern seid ihr beeinflußt worden, welche Musik hört ihr privat?

L: Vor allem den Kram Anfang der 80er Jahre, angefangen bei Joy Division, Bauhaus, auch die ganzen Punkbands wie Ruts, Discharge...


A: Die erste Band war Joy Division, die Sisters of Mercy, und bei mir speziell waren es auch viele Psychobilly-Sachen, und natürlich viel Punk. S: Killing Joke.

L: Killing Joke habe ich ganz vergessen, die waren auch sehr wichtig.

S: Wipers, und auch neue Sachen sind ganz okay, z.B. Placebo, und auch die ganze Elektronik ist sehr interessant zum Einbauen in neue Stücke. Ich denke nicht, daß wir nur am alten Punk-Genre weiterarbeiten, sondern auch neue Sachen hineinplazieren.

L: Ich fand auch New Order immer gut, von Anfang bis Ende. Sie waren zeitweise von den Fans verpönt, sie wären nur noch poppig-elektronisch. New Order waren immer eine Band mit einer extremen Existenzberechtigung, sie waren immer bereit, etwas vollkommen Neues zu machen. Ich mochte New Order immer.

N: Gibt es eine Szene, der ihr euch verbunden fühlt, z.B. Punk oder Gothic?

L: Gute Frage, und genau dazu möchte ich sagen: Entweder beiden oder keiner. Dieser Split zwischen Punk und Gothic ist ziemlich beschissen, denn gerade Anfang der 80er Jahre, Ende der 70er, als dieses Genre aufkam, war es die New Wave-Ära, als Punk und Wave zusammen stattgefunden haben. Du bist in Cafes oder Kneipen gegangen, da hat es die Ruts gespielt, und danach kam ein Song von Toyah, da war noch nicht diese Trennung da, wie sie heute stattfindet, und diese Trennung finde ich eigentlich ziemlich mies, weil der Ursprung doch ein ziemlich ähnlicher war.

N: Du hast dein eigenes Label Sturmhöhe (www.sturmhoehe.de, Anm.) gegründet, was waren die Gründe dafür? Gab es Probleme mit der alten Plattenfirma?

L: Probleme mit der alten Plattenfirma gab es, die dauern zeitweise auch noch an und werden nach und nach ausgeräumt, aber darauf will ich nicht näher eingehen. Der Grund, ein eigenes Label zu gründen war die größtmögliche Freiheit für sich selbst zu haben. Es ist oft so, daß man nicht ganz fair von Plattenfirmen behandelt wird. Darum sind wir den Weg gegangen, daß wir die Fliehenden Stürme auf einem eigenen Underground-Label publizieren wollen, und anderen Bands, die es noch nicht geschafft haben, bei einer großen namhaften Plattenfirma unterzukommen, eine Plattform zu schaffen. Eine eigene Plattenfirma bedeutet Unabhängigkeit, und wenn wir schon ein bißchen Kohle machen, dann müßen wir nicht auch noch eine andere Plattenfirma damit bezahlen.

N: Was bedeutet der Bandname, und wie seid ihr darauf gekommen?

L: Ich habe mit 15 Jahren einmal ein Stück geschrieben, das hieß "Fliehende Stürme". Als wir uns von Chaos Z in Fliehende Stürme umbenannt haben, war uns davor schon längere Zeit klar, daß wir einen anderen Namen haben wollen. In dem Lied ging es darum, daß du auf einer Brücke stehst und ein Unwetter fortziehen siehst. Das beschreibt die Musik ganz gut, diese treibende Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch unsere Musik zieht, die allerdings teilweise doch auch aggressiv ist und nach vorne geht. Insofern hatte ich plötzlich den Gedanken, daß das der Bandname ist. Eingebung...

N: Du hast gerade von der Melancholie gesprochen, wird es von euch einmal ein fröhliches Lied geben?

L (lacht): Haben wir nicht schon was?

A: Das kommt darauf an wie du es siehst.

L: Wir haben ein paar Trinklieder, aber da ist auch schon wieder die Melancholie drin. Ich weiß nicht, in die Fun-Punk-Ecke wollten wir nie, werden wir nie.

N: Plant ihr, eure alten Platten wie "Fallen", die teilweise nur noch schwer erhältlich sind, neu aufzulegen?

L: Ja, das ist gerade in Planung.

N: Wie stehst du zu den alten Chaos Z-Veröffentlichungen? Wird es eventuell wieder eine Chaos Z-Platte geben?

L: Eine Chaos Z-Platte wird es definitiv nicht mehr geben, das stiftet nur Verwirrung. Nachdem das "Fallen"-Album auf recht tragische Weise beendet wurde (Andreas Löhrs Bruder und Stürme-Bassist Thomas starb während den Aufnahmen an AIDS, Anm.), war es für mich recht wichtig, sofort weiterzumachen. In Zukunft ist unter dem Namen Chaos Z nichts mehr geplant. Wir haben jetzt auch einen ganz guten Weg gefunden, die harten schnellen Sachen und auch die ruhigen langsamen Sachen zu vereinen, das wollten wir schon immer machen. Nicht nur die eine Proll-Punk-Schublade oder die Gothic-Schublade, wir wollen das irgendwie vermischen, auch wenn wir da die Einzigen sind, oder zumindest eine der ganz wenigen Bands.

N: Seid ihr zufrieden mit eurem Underground-Status oder wärt ihr lieber bekannter? Plant ihr eine Single oder ein Video?

L: Single oder Video planen wir gar nicht, der Hickhack mit den großen Sendeanstalten, um das auf Rotation zu bringen, es ist also nicht unser Ziel. So wie es gerade läuft mit den Konzerten - wir freuen uns auch, einmal in Wien spielen zu können - das ist ganz okay so. Hello Wien! (lacht) Der zunehmende Bekanntheitsgrad stellt sich doch Stück für Stück ein, jedes Jahr kommt ein bißchen was dazu, ein gewisser Schneeballeffekt. Das sind Sachen, die wir überhaupt nicht kalkulieren, wir denken nicht an Charts oder Videoproduktionen, und in Läden wie hier zu spielen, ist uns eigentlich am Liebsten.

N: Ich nehme an, du hast "Himmel steht still" wieder ganz allein eingespielt?

L: Ja.

N: Planst du in Zukunft wieder eine Bandproduktion?

L: Ja, ist geplant, wir werden in Zukunft zumindest die nächsten Sachen zu dritt einspielen.

N: Willst du noch etwas zum Thema "Texte" hinzufügen?

L: Ich möchte die Texte die ich schreibe, nicht zerpflücken, ich finde, sie sind durchaus verständlich, sie sollen auch gefühlsmäßig verstanden werden, ich finde es auch vollkommen in Ordnung, wenn jemand den Text auf sich projezieren kann, und denkt, der Text spricht mich jetzt aus der und der Situation an, ob das jetzt 100% die Situation ist die ich mir ausgemalt habe, ist vollkommen egal.

N: Man versteht sie meistens nicht 100%ig, eher gefühlsmäßig.

L: Es ist manchmal so, wie mit Worten zu malen.

N: Werdet ihr auch in nächster Zeit eine richtige Tournee machen?

L: Wir spielen im Moment ziemlich regelmäßig live, da wir auch nebenbei arbeiten gehen, somit sind Wochenendkonzerte besser für uns.

N: Ihr könnt also nicht von den "Fliehenden Stürmen" leben?

L: Nein.

N: Als Abschlußfrage: Was wird man vom Konzert erwarten können?

L: Die übliche Mischung, obwohl ich glaube das wir live noch ein bißchen härter rüberkommen, wir hoffen natürlich, die Intensität auf das Publikum übertragen zu können.

 

Review www.city-flyer.at

Rund um den Gothic-Club "Dancefloor Tragedy" im Wiener EKH hat sich eine kleine aber feine Szene von rund 200 Leuten etabliert, die einmal im Monat zu Dark Wave (zum Großteil) aus den 80ern abtanzt.

Mitternacht im Ernst Kirchweger Haus, Wien, 10. Bezirk. Dort, wo für gewöhnlich die Wiener Punkszene zum Pogo ansetzt, erschweren diesmal dicke Nebelschwaden den Blick auf die volle Tanzfläche. Wären da nicht die weißen Gesicher, die durch das Dunkel wandern, im ersten Moment könnte man den Eindruck gewinnen, der Saal sei leer. Sehr bald schälen sich jedoch die ersten Einzelheiten aus dem Schwarz: hier blutrot geschminkte Lippen, da eine turmhohe Frisur durchzogen mit "Spinnweben", schwarzes Leder, Nieten, Ösen und Silberspangen. Der monatlich stattfindende Gothrock-Club "Dancefloor Tragedy" zog wieder einmal die Dark-Scene wie das Licht die Motten an. Rund 200 Schwarzkittel tanzen zu New Wave und Neue Deutsche Welle-Klassikern, als wär die Zeit stillgestanden. Im Gegensatz zum 80er Jahre-Aufguß "Iceberg" in der Wiener Arena landen hier aus der Hand von Slut, NeuRose, Porcupine und des aus Deutschland stammenden Gast-DJs Steven Cavity ausschließlich Kultplatten am Teller. Die grandiosen Fehlfarben mit "Paul ist tot" dürfen ebensowenig fehlen wie ihre österreichischen Kollegen Blümchen Blau ("Weihnachtsmann"), auf Cinema Strange folgen The Cult, The Cure, Siouxsie & the Banshees, D.A.F., Einstürzende Neubauten, ... wer Geschichtsunterricht in Sachen 80er Jahre Underground nehmen will, hier ist er bestens aufgehoben. Wer mit dieser Musik aufgewachsen ist (und das sind hier wohl die wenigsten), wird erstaunt sein über die Kraft der Songs, die ihnen auch nach 20 Jahren innewohnt.

3 Uhr morgens: immer noch tanzt die Black Crowd zum Maschinentakt der 80er und über ihr wacht mit ihren Facettenaugen eine riesengroße Fliegen-Plastik. Schwere Empfehlung! -wh-